Archiv der Kategorie: Texte
Nach dem Regen
Fotos Brigitte Fuchs
Feuchtgebiete rings umher,
das Wiesengelb von Nässe schwer.
Sachte tropft es von den Ästen,
von verwaisten Vogelkästen.
Doch der sonnengelbe Glanz
rüstet auf zu neuem Tanz.
Brigitte Fuchs
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Ein blauer Nachmittag

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee
Zum Wandern lockt der Uferweg.
Den Fischern dient der Landesteg.
Man segelt, rudert, schwimmt, geniesst,
legt sich ins Gras zum Sonnenbaden,
kühlt in der Flut die heissen Waden,
befreit das Baby von den Söckchen,
wirft Bälle für den Hund und Stöckchen:
Es gibt nichts, was uns heut‘ verdriesst.
Im Kursschiff geht es dann zurück
samt Frohsinn, Müdigkeit und Glück.
Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs: Hallwilersee
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Der Gang aufs Land
Foto Brigitte Fuchs: Wynental
Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings
Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab
Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume
Zahllos, blühend weiss, wallen in wiegender Luft,
Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock
Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.
Friedrich Hölderlin (1770-1843) deutscher Dichter
Letzte Zeilen aus seinem Langgedicht „Der Gang aufs Land“
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Das neue Paradies

Foto Brigitte Fuchs
Hol es der Henker«, rief Gott, »jetzt ist meine Geduld zu Ende; der ganze Planet muss weg, zerschmissen muss er werden, sonst verschandelt er mir die Schöpfung.« Und in furchtbarem Grimm ballte er die Faust und hielt sie über die kleine braune Kugel, die da zischend und knisternd und schwelend und stinkend durch den Äther zog.

Foto Brigitte Fuchs: Schwalbenschwanz
Aber er schlug nicht zu, sondern streckte die Hand wieder in die Hosentasche, und seine Miene wurde milder. »Nein«, sprach er vor sich hin, »man muss sich alles überlegen. Es wäre schade um die Schmetterlinge.«
Victor Auburtin (1870-1928) deutscher Journalist und Schriftsteller
Aus „Das neue Paradies“

Foto Brigitte Fuchs: Schwalbenschwanz
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Ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch

Fotos Brigitte Fuchs
Vorgestern – das Wetter hätte einladender nicht sein können – machten wir uns auf ins Baselbiet.
Hausfrau Hanna wird den geschichtsträchtigen Ort gleich erkennen (nicht nur anhand der Tafel „Froschwanderung“ oder dem Hinweis „Ab uff d’Sogge!“).
Für die anderen Blogbesucherinnen und -besucher gibt es nachstehend ein paar Informationen.

Fotos Brigitte Fuchs
Die Ermitage in Arlesheim, heisst es in den Beschreibungen dieses beliebten Ausflugsziels, sei der grösste englische Landschaftsgarten der Schweiz. In die Anlage sind naturgegebene Elemente wie das romantische Gobenmatttal und der Burghügel mit seinen Höhlen und Grotten einbezogen worden.
Die vorhandenen Bauten der Schlossruine Birseck (der Mühle, der Tabakstampfe und der Büchsenschmiede) bilden ebenfalls wesentliche Bestandteile des romantischen Gartens. Die drei Weiher wurden früher zur Fischzucht genutzt. Mit verzweigten Wegen, Aussichtspunkten, Plätzen, Kleinbauten und Denkmälern und mit dem geschickten Einbezug der Sträucher und Bäume, sowie mit der Schaffung von Sichtachsen ist zum Ende des 18. Jahrhunderts eine naturnah wirkende, aber kunstvoll gestaltete und arrangierte Gartenanlage entstanden.

Fotos Brigitte Fuchs
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Vom Lesen

Fotos Brigitte Fuchs
Wenn ich im Lesen eine schwere Stelle finde, die ich nicht verstehen kann, so beisse ich mir deswegen die Nägel nicht ab, sondern lasse es, nachdem ich sie ein- oder ein paarmal beleuchtet habe, dabei bewenden. Wenn ich mich darauf erpichte, würde ich mich und meine Zeit verderben, denn mein Kopf wird leicht stutzig; was er nicht im ersten Anlauf lernt, das lernt er noch weniger, wenn er angestrengt wird. Ich tue nichts ohne Frohsinn, und zu langes und anhaltendes Nachsinnen trübt meinen Verstand…
Michel de Montaigne (1533-1592) französischer Jurist, Philosoph und Essayist
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Wir andern…
Foto Brigitte Fuchs
Es gibt keinen Nicht-Romantiker, und wenn es einen gäbe, so müsste er seinen Standort an einem Weltpunkt wählen, wohin nicht Licht noch Ton dringt. Wir andern sind Sonnenanbeter, wes Bekenntnis wir sonst sein mögen, im Regenbogen erblicken wir noch etwas Anderes als eine prismatische Lichtzerlegung, ein Wald erzählt uns von andern Dingen, als von seinen Kubukmetern Holz, ein Vogellied berührt uns nicht nur mit soundsoviel Schallschwingungen in der Zeiteinheit.
Alexander Moszkowski (1851-1934) deutscher Schriftsteller und Satiriker polnisch-jüdischer Herkunft
Text aus dem Internet
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Einsamkeit
Foto Brigitte Fuchs
…es gibt nur eine Einsamkeit, und die ist gross und ist nicht leicht zu tragen, und es kommen fast allen die Stunden, da sie sie gerne vertauschen möchten gegen irgendeine noch so banale und billige Gemeinsamkeit, gegen den Schein einer geringen Übereinstimmung mit dem Nächstbesten, mit dem Unwürdigsten … Aber vielleicht sind das gerade die Stunden, wo die Einsamkeit wächst; denn ihr Wachsen ist schmerzhaft wie das Wachsen der Knaben und traurig wie der Anfang der Frühlinge.
Rainer Maria Rilke (1875-1926) Lyriker deutscher Sprache
Aus „Briefe an einen jungen Dichter“
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Genies und Ziegen

Foto Brigitte Fuchs
Genies gehen ihren eigenen Gang wie Ziegen. Daher nennt sie auch der Italiener capricciosi (Sonderlinge, eigentlich Sprüngemacher, von capra = Ziege).
Sie klettern über Höhen und Abgründe leicht hinweg, während Schafe ruhig dem Leithammel folgen.
Karl Julius Weber (1767-1832) deutscher Privatgelehrter, Hofrat und Schriftsteller
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Dunkel war’s, der Mond schien helle

Foto Brigitte Fuchs
Vom Nonsens-Gedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle“, das von einem unbekannten Verfasser vermutlich im 19. Jahrhundert geschrieben wurde, gibt es unzählige Varianten. Die folgende soll aus dem Jahre 1902 stammen:
Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Eis lag auf der grünen Flur,
Als ein Wagen mit Blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Darin sass ein blonder Jüngling,
Dessen rabenschwarzes Haar
Von der Fülle seiner Jahre
Schon ganz weiss geworden war.
Von Unbekannt

Foto Brigitte Fuchs
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