Archiv der Kategorie: Texte
Draussen
Foto Brigitte Fuchs
(…)
Donner alle! Was ist das,
Das vom Fenster regnet?
Garstge Hexe, kotignass,
Hast mich eingesegnet.
Regen, Hunger, Frost und Wind
Leid ich für das Teufelskind,
Werde noch gehudelt!
Wetter auch! Ich packe mich!
Böser Dämon, tummle dich,
Habe satt gedudelt!
Draussen, draussen Saus und Braus!
Fahre wohl – Ich geh nach Haus.
Friedrich Schiller (1759-1805) deutscher Dichter
Letzte Strophe seines Gedichtes „Baurenständchen“
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Grüezi!

Collage Brigitte Fuchs
Wie es geht
Sie war eine ganz kleine Schauspielerin des Sommertheaters, hatte Himmels-Augen und hungerte.
»Ich möchte Ihnen einmal Jeane Eyre vorspielen« sagte sie zu einem jungen Schriftsteller.
»Kommen Sie zu mir« sagte er.
»Oh«, sagte sie, »erlauben Sie es mir?!«
Sie spielte es ihm vor.
Er lobte sie, brachte sie in eine glückliche Stimmung.
Dann küsste er sie, drückte sie an sich – – –.
»Gott beschütze mich« sagte sie und überliess sich dem Schicksale.
Sie behielt ihre Himmels-Augen, hungerte und deklamirte Jeane Eyre, ihre Glanzrolle – – –.
Peter Altenberg (1859-1919) österreichischer Schriftsteller
P.S. Jane Eyre (wie es im Original heisst) ist eine Autobiografie, die im Jahr 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell erschien. Sie ist der erste veröffentlichte Roman der britischen Autorin Charlotte Brontë und wurde zum Klassiker des 19. Jahrhunderts.
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Sie müssen wissen…

Fotos Brigitte Fuchs
Sie müssen wissen, mein Herr, dass ich das Vergnügen,
das wir in einem Garten geniessen, als eine der unschuldigsten
Freuden des Lebens erachte.
Ein Garten war die Wohnung unseres ersten Elternpaares vor
dem Sündenfall. Daher ist er von Natur aus dazu geeignet,
das Gemüt mit Stille und Frieden zu erfüllen und alle seine
stürmischen Leidenschaften zur Ruhe zu bringen.
Joseph Addison (1672-1719) englischer Dichter, Politiker und Journalist
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Natur ist…
Natur ist ein Meer von Formen, die entschieden gleichartig und sogar unverwechselbar sind. Ein Blatt, ein Sonnenstrahl, eine Landschaft, der Ozean machen alle einen ähnlichen Eindruck auf den Geist. Was ihnen allen gemeinsam ist – diese Vollendung und Harmonie -, eben das ist Schönheit. Das Mass der Schönheit ist der gesamte Umkreis natürlicher Formen…
Ralph Waldo Emerson (1803-1882) US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

Fotos Brigitte Fuchs
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Esskastanie


Auf die wärmenden und heilenden Eigenschaften der Edelkastanie legte schon Hildegard von Bingen grossen Wert. In ihrer Heilkunde findet der Kastanienbaum mit seinen Früchten, den „Marroni“, wegen seiner vielfachen heilenden Wirkung darum spezielle Erwähnung:


„Der Kastanienbaum ist sehr warm, hat aber doch grosse Kraft, die der Wärme beigemischt ist, und er bezeichnet die Weisheit. Und was in ihm ist und auch seine Frucht ist sehr nützlich gegen jede Schwäche, die im Menschen ist“.
Hildegard von Bingen (1098-1179) deutsche Ordensfrau und Mystikerin
Aus der medizinischen Schrift „Heilkraft der Natur – Physica“, im dritten Buch „Von den Bäumen“


Alle Fotos Brigitte Fuchs
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Der junge und der alte Hirsch

Fotos Brigitte Fuchs: Axis- und Rothirsche im Wildpark Roggenhausen
Ein Hirsch, den die gütige Natur Jahrhunderte hat leben lassen, sagte einst zu einem seiner Enkel: „Ich kann mich der Zeit noch sehr wohl erinnern, da der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden hatte.“
„Welche glückliche Zeit muss das für unser Geschlecht gewesen sein!“ seufzte der Enkel.
„Du schliessest zu geschwind!“ sagte der alte Hirsch. „Die Zeit war anders, aber nicht besser. Der Mensch hatte da, anstatt des Feuerrohrs, Pfeile und Bogen, und wir waren ebenso schlimm daran als jetzt.“
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1799) deutscher Dichter, Dramatiker und Kritiker
Eine seiner Fabeln
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Die Eiche und das Schwein
Fotos Brigitte Fuchs: Wildschweine und Minipigs im Wildpark Roggenhausen
Ein gefrässiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge.
„Undankbares Vieh!“ rief endlich der Eichbaum herab. „Du nährst dich von meinen Früchten ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten.“
Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: „Meine dankbaren Blicke sollten nicht aussen bleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen.“
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1799) deutscher Dichter, Dramatiker und Kritiker
Eine seiner Fabeln
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Das Ziel der Sehnsucht
Foto Brigitte Fuchs
„Werde ich das Ziel meiner Sehnsucht erreichen?“ fragte ein Ehrgeiziger den pythischen Apoll und erhielt die Antwort: „Gewiss.“ – „Gewiss? O göttliche Verheissung!“ rief der Ehrgeizige glückstrunken aus. „Meine Wünsche werden erfüllt – alle erfüllt?“ – „Alle.“ – „Auch die kühnsten?“ – „Auch die.“ – „Sei gepriesen, du Göttlicher, auch die! Und wann?“ – „Sobald dir an ihrer Erfüllung nichts mehr liegt.“
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) österreichische Schriftstellerin, Erzählerin und Novellistin
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Beständiges
Flüchtig die Gäste,
Standhaft das Haus:
Ich bin das Feste
Im Zeitengebraus;
Ich bleibe hier,
Ihr wandert weit,
Nehmet mit von mir
Standhaftigkeit.

Foto Brigitte Fuchs: Haus in Regensberg/ZH
In der Mitte aller Ferne
Steht dies Haus,
Drum hab‘ es gerne.
Inschriften an einer alten Herberge
sowie einem Bauernhaus
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Kleine Provokation

Foto Brigitte Fuchs: Buchwerbung, gesehen in Solothurn
Neun Zehntel unserer Literatur hat keinen anderen Zweck, als dem Publikum
einige Taler aus der Tasche zu spielen: Dazu haben sich Autor, Verleger und Rezensent fest verschworen.
Arthur Schopenhauer (1788-1860) deutscher Philosoph, Autor und Hochschulleiter
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