Archiv der Kategorie: Texte
Waldkathedrale

Fotos Brigitte Fuchs
Etwas oberhalb der Gemeinde Beromünster kann man eintreten in die eindrucksvolle Atmosphäre der Waldkathedrale Schlössliwald. Eine Tafel informiert die Besucherinnen und Besucher der Anlage über deren Entstehung: Der vom Stift Beromünster 1790 mit der Planung eines Meditations- und Spazierweges beauftragte Stiftsbaumeister Purtschert liess hier 94 Rosskastanien und 3500 Hagebuchen pflanzen. Die Baumreihen bilden den Umriss einer Kirche mit Mittel-, Seitenschiff und Chor. Die Baumkronen bilden die Kuppel. Etwa ein Viertel der vor über 200 Jahren gepflanzten Rosskastanien stehen noch da, dazu kamen eine Reihe von imposanten Buchen. In den letzten Jahren wurde viel in den Unterhalt und die Erneuerung der Anlage investiert. Von den „Querschiffen aus“ bietet sich ein imposanter Blick auf das Umland oder auf den Stiftsbezirk und Flecken Beromünster. Eine abschliessende Baumgruppe bildet den „Chor“.
Heute gilt die Waldkathedrale weit über die Region hinaus als ein bedeutendes Denkmal der Gartenkunst, das seit 2008 unter Denkmalschutz steht. Der Schlössliwald ist ein Ort der Stille und soll so erhalten werden. Es scheint als ob Magie und christliches Kulturgut hier besonders stimmungsvoll aufeinander treffen.

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
22 Kommentare
Gärtnern

Fotos Brigitte Fuchs
Wohl nichts Anderes auf der Welt hat eine so beruhigende Wirkung und macht so zufrieden wie das Gärtnern: jene körperliche Betätigung, die den Geist beruhigt und den Deltamuskel stählt….
Zum Gärtnern braucht man einen gusseisernen Rücken mit einem Scharnier.
Die pralle Sonne auf dem Rücken, während man sich über Schaufel oder Hacke beugt oder beschaulich den warmen, duftenden Lehmboden riecht, ist heilender als manch eine Medizin.
Charles Dudley Warner (1829-1900) amerikanischer Jurist, Journalist und Schriftsteller
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
28 Kommentare
Es ist ganz gleich…

Foto Brigitte Fuchs
Es ist ganz gleich, ob ein Garten klein oder gross ist. Was die Möglichkeiten seiner Schönheit betrifft, so ist seine Ausdeh-
nung so gleichgültig, wie es gleichgültig ist, ob ein Bild gross oder klein, ob ein Gedicht zehn oder hundert Zeilen lang ist. Die Möglichkeiten der Schönheit, die sich in einem Raum von fünfzehn Schritten im Geviert, umgeben von vier Mauern, entfalten können, sind einfach unmessbar.
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) österreichischer Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
22 Kommentare
Einmal

Foto Brigitte Fuchs
Einmal fand ich ein eigen blau Blümelein und dachte:
Wenn Du’s dem Elselein schenktest?
Dann aber musste ich lachen über die Torheit,
sah nach den Leimruten am Baum
und nach den Fischen im Bach.
(…)
Paul Klee (1879-1940) deutscher Maler und Grafiker
Erste Strophe seines Gedichtes „Drei Knaben“ aus dem Jahre 1900
aus „Paul Klee Gedichte“ Hrsg. von Felix Klee, Arche Verlag Zürich-Hamburg

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
24 Kommentare
Windstösse

Foto Brigitte Fuchs
Die Bogenlampen, zu hoch über der Strasse, schwankten unsicher, wie
Windlichter. In verstaubten Anlagen wirbelten Papierknäuel. Ein zager Wind
erhob sich mit einzelnen Stössen. Es war, als wäre die Stadt gar nicht bewohnt.
Joseph Roth (1894-1939) österreichischer Schriftsteller und Journalist
Aus „Die Flucht ohne Ende“
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
24 Kommentare
Die Ketten der Gedanken

Foto Brigitte Fuchs
Immer aber ist es so, dass das, was wir in einem Augenblick ungeteilt und ohne Fragen erleben, unverständlich und verwirrt wird, wenn wir es mit den Ketten der Gedanken zu unserem bleibenden Besitze fesseln wollen.
Robert Musil (1880-1942) österreichischer Schriftsteller und Theater-Kritiker
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
16 Kommentare
Grau
Foto Brigitte Fuchs: Sitzgelegenheit in Sursee/LU
Dieser Norden! Da wacht man in der verheissendsten Stimmung auf. Griesgrämig, grau, teilnahmslos ruhen die grossen Augen der Fenster auf dir, als wollten sie sagen: wozu regst du dich so auf? was willst du mit deinen törichten Idealen? Alles ist eitel.
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter, Schriftsteller, Journalist und Übersetzer
Text aus seinen Tagebuchnotizen
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
20 Kommentare
Gleichnis
Fotos Brigitte Fuchs
Ich nehme die unbeständige Welt der Erscheinung als Gleichnis.
Die irdischen Güter acht‘ ich dem Trugbild des Wassers gleich.
Mi-la Ras-pa (ca. 1040-1123) tibetischer Dichter und Philosoph
Text gefunden bei Aphorismen.de
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
26 Kommentare
Scharf und sauer
Fotos Brigitte Fuchs
Dem einen Temperament ist es von Nutzen, seinen Verdruss in Worten auslassen zu können: im Reden versüsst es sich.
Ein anderes Temperament kommt erst durch Aussprechen zu seiner vollen Bitterkeit: ihm ist es rätlicher, etwas hinunterschlucken zu müssen: der Zwang, den Menschen solcher Art sich vor Feinden oder Vorgesetzten antun, verbessert ihren Charakter und verhütet, dass er allzu scharf und sauer wird.
Friedrich Nietzsche (1844-1900) deutscher Philosoph, Schriftsteller und Lyriker
Aus „Menschliches, Allzumenschliches“
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
12 Kommentare
Alles ist gut

Foto Brigitte Fuchs: Wandmalerei, gesehen in Luzern
Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiss, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) russischer Schriftsteller
Aus „Die Dämonen“
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
32 Kommentare


