Archiv der Kategorie: Texte
Steinmetzgeschichte
Foto Brigitte Fuchs: Steinmetz an der Ausstellung „Bauen und Wohnen“ in Wettingen
Drei Steinmetze arbeiten auf einer Baustelle. Ein Passant fragt sie danach, was
sie tun.
Der erste Steinmetz räumt mürrisch Steine zusammen und sagt: „Ich verdiene meinen Lebensunterhalt.“ Der zweite Steinmetz klopft mit wichtiger Miene auf seinen Stein, während er antwortet: „Ich liefere die beste Steinmetzarbeit weit und breit.“ Der dritte Steinmetz aber schaut den Fragenden ruhig und mit glänzenden Augen an und sagt: „Ich baue eine Kathedrale.“
Diese immer wieder leicht anders erzählte Geschichte wird Michelangelo zugeschrieben, taucht aber an unterschiedlichen Orten auf und kann nicht zweifelsfrei einem Verfasser / einer Verfasserin zugeordnet werden.
Auf meinen ausgebälgten Geier
Foto Brigitte Fuchs: Hauseingang in Rheinfelden
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Du stehst so still und ernst, mein ausgebälgter Geier,
Ich bringe dir ein Lied mit meiner ernsten Leier.
Zwar hörst du nichts davon, dir geht mein Gruss verloren;
Doch Dichter sind gewohnt, zu singen toten Ohren.
Es lebt ja noch der Geist, der einst dir gab die Schwingen,
Den traf der Jäger nicht, er hört mein Lied erklingen.
Und wenn kein Menschenohr auch meinem Sange lauschte,
So hört mich doch der Geist, der mir das Herz berauschte.
(…)
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Niklaus Lenau (1802-1850) ungarisch-österreichischer Dichter
Die ersten paar Verse aus seinem Langgedicht „Auf meinen ausgebälgten Geier“
Gedicht gefunden im Internet
Foto Brigitte Fuchs: Detail
Alte Eule
Foto Brigitte Fuchs
Alte Eule in der Eiche
gibt den Kindern gute Lehr:
„Hör ich viel, so werd ich stille,
bin ich still, so hör ich mehr.“
Vers aus Nordamerika
Fern in jungen Birken spielt der Wind
Foto Brigitte Fuchs
Fern in jungen Birken spielt der Wind,
scheint das scheue Frührot anzuschüren.
Von der zarten Glut umglänzt beginnt
eine Mühle sich zu rühren;
rosig schauert das grüne Feld.
Wo der altersgraue Park sich lichtet,
unweit einer Grabkapelle,
grüsst ein Weib ins Freie, Helle,
blitzt ein Stahlrad auf, blitzt und hält,
schwenkt ein Mann die Rechte, heiss hochgerichtet:
Frühling! – endlich! – wie drängt das, mitzutun!
(…)
Richard Dehmel (1863-1920) deutscher Schriftsteller und Lyriker
Anfangszeilen seines gleichnamigen Gedichtes
Gefunden im Internet
Milchschnitte
Fotos Brigitte Fuchs
Auf der abgebildeten Infotafel „Milchschnitte“ von Landwirtschaft.ch ist unter dem Motto „Gut, gibt’s die Schweizer Bauern.“ zu lesen:
Nach Ackerfrüchten wie Getreide, Mais und Raps sät der Bauer eine Wiese an. Diese so genannte Kunstwiese steht bis vier Jahre und wird jährlich 4 bis 6 Mal geschnitten.
Jeder Schnitt liefert hochwertiges Futter. Und viel Milch.
Ganymed
Foto Brigitte Fuchs: Ganymed, Skulptur von Hermann Hubacher auf der Bürkli-Terrasse in Zürich. Hermann Hubacher
(1885-1976) war ein Schweizer Bildhauer und Plastiker.
Der Sage gemäss wurde der schöne Königssohn Ganymed von Zeus auf den Olymp entführt. Hermann Hubachers Plastik aus dem Jahre 1952 zeigt allerdings nicht diese Entführung. Vielmehr schuf der Künstler ein Sinnbild für die Sehnsucht des Menschen, in den Olymp zu gelangen. Mit erhobener Hand bittet Ganymed den Göttervater Zeus (der als Adler erscheint), ihn dort aufzunehmen.
Obwohl die Skulptur von der antiken Mythologie inspiriert ist, betonte der Künstler seinerzeit, sein Werk sei „nicht etwa ein griechischer, sondern ein echt schweizerischer Ganymed“.
Tischgebet mit Humor
Foto Brigitte Fuchs: gesehen anlässlich einer Ausstellung zum klösterlichen Leben im Kloster St. Urban, Pfaffnau/LU
Piep, piep, piep,
wir haben uns alle lieb.
Jeder isst so viel er kann,
nur nicht seinen Nebenmann.
Und wir nehmens ganz genau:
auch nicht seine Nebenfrau.
Verfasser unbekannt
Gefunden in „10 x 10 Gedichte für Kinder“ Hrsg. Josef Rennhard, Erle Verlag Zofingen 2005
Mein Wintersport
Fotos Brigitte Fuchs
Nun hör’n Sie zu und werd’n Sie grob:
Ich laufe nicht Ski und fahre nicht Bob;
Ich habe mich nimmer hervorgetan
Auf kurvengesegneter Rodelbahn
Und ahne nicht, was mit den Rennen los
In Oberhof nächstens oder Davos.
(…)
Das ist meine Schande – ich sag‘ es offen –
Und ist auch mein heimlicher Herzenshort:
Auf einen kommenden Frühling hoffen,
Das ist mein ganzer Wintersport!
Rudolf Presber (1868-1935) deutscher Erzähler, Dramatiker und Dichter
Erste und letzte Zeilen aus seinem Langgedicht „Mein Wintersport“
Ausgang
Foto Brigitte Fuchs: gesehen an der Ausstellung „Heimat – eine Grenzerfahrung“ in Lenzburg
Lass nur jene in dein Labyrinth,
die Hoffnung in den Händen tragen
und Zärtlichkeit in ihren Augen,
die Tage nicht nach Stunden messen
und ihr Herz öffnen dem Zauber
hinter den Erscheinungen –
und dabei ganz vergessen,
den Ausgang zu suchen.
Altirischer Segenswunsch
Ich arbeite…
Foto Brigitte Fuchs
Ich arbeite Tage und Nächte. So bleibt mir viel freie Zeit. Um ein Bild im Zimmer
zu fragen, wie ihm die Arbeit gefällt, um die Uhr zu fragen, ob sie müde ist, und die Nacht, wie sie geschlafen hat.
Karl Kraus (1874-1936) österreichischer Schriftsteller, Publizist und Satiriker
Aus „Karl Kraus Aphorismen“ Sprüche und Widersprüche / Pro domo et mundo / Nachts; Suhrkamp Taschenbuch, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1986










