Monatsarchive: April 2019

An die Muse

Foto Brigitte Fuchs

 

O Muse, die du weisst, was Tier und Bäume sagen,
Wovon der Vogel singt, was Fisch und Wurm beklagen,
Ich bitte, sage mir, wie reden Löw‘ und Maus?
Wovon schwatzt Schneck‘ und Frosch? wie sprechen muntre Pferde?
Was denkt der volle Mond? worüber seufzt die Erde?
Wie redet die Natur? Es lässt ja ungereimt,
Wenn roher Sänger Witz von Wut der Lämmer träumt,
Die Löwen weinen lässt, die Hasen drohen lehret,
Gewächsen Flügel dreht, und die Natur verkehret.
Aesopus dichtete natürlich, ohne Zwang,
Aesop, der von der Maus bis an den Löwen sang,
Und, ohne der Natur was Falsches aufzubürden,
Die Tiere reden ließ, wie Tiere reden würden.
Die Wölfe dürsteten nach feiger Lämmer Blut,
Der Hisch pries sein Geweih, der Uhu seine Brut,
Der Panther drohete, der Stier sprach von dem Stalle,
Der Sperling plauderte, der Fuchs betrog sie alle.
So sang der Phrygier. Nicht, was sich widersprach,
Floss jemand in sein Lied. Ihm sang ein Phädrus nach,
Und alle, die nach ihm das Fabelreich durchstrichen,
Erhoben ihren Ruhm, so weit sie jenen glichen.
Mein Mund versucht ihr Lied. Wie, wenn es nicht gelingt?
Wer zweifelt, hat gewählt. Es sei gewagt, er singt.

 

 

Magnus Gottfried Lichtwer (1719-1783) deutscher Dichter
Text aus dem Internet

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Noch ist es still am See (ein Anagramm)

Fotos Brigitte Fuchs: Wasserschloss Hallwil

 

 

NOCH IST ES STILL AM SEE,

AM SCHLOSS-SEITENTEIL.

SO IST AMSEL, INSEL, ECHT.

 

Brigitte Fuchs

 

 

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Gärtchen

Foto Brigitte Fuchs

 

Weit und schön ist die Welt,
doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen beschränkt,
zierlich, mein eigen gehört.
Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen?
Ehre bringt’s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Universalgelehrter

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Launischer April

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Launischer April.

Das Shirt, das morgens wärmte,

hängt nun überm Zaun.

 

Brigitte Fuchs

 

 

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Werte

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Was das Leben für uns für einen Wert habe, wenn dieser bloss nach dem geschätzt wird, was man geniesst, ist leicht zu entscheiden. Er sinkt unter Null.
Es bleibt also wohl nichts übrig als der Wert, den wir unserem Leben selbst geben durch das, was wir tun.

 

Immanuel Kant (1724-1804) deutscher Philosoph der Aufklärung

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Am Weiher

Foto Brigitte Fuchs

 

Sagt der Reiher:
Hier am Weiher
bin ich wer.
Schaut doch her!

Fischers Fritze
(wenn ich sitze)
meint empört:
Unerhört!

Konkurrenz,
(grad im Lenz)
tut doch gut:
Ruhig Blut!

 

Brigitte Fuchs

 

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Zum Tag

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

(…)

Die Liebe ist in vollem Zug.
An jeder Stelle möchte ich liegen,
Mit jedem Vogel möchte ich fliegen,
Ich möchte fort und möchte bleiben,
Es fesselt mich und will mich treiben.
O Lenz, du holder Widerspruch…

(…)

 

Nikolaus Lenau (1802-1850) ungarisch-österreichischer Dichter
Einige Zeilen aus seinem Gedicht „Frühling“

 

Foto Brigitte Fuchs

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Schildkrötenliebe

 

Er kam vom Winterschlafquartier
und wurde langsam frisch und wach.
So schnell es ging, kroch er zu ihr,
denn er verspürte Liebe, ach!

 

Foto Brigitte Fuchs

 

Kaum angekommen schupste er
die Liebste zärtlich mit dem Schopf.
Sie war noch nicht so wach wie er
und wiegte zögernd ihren Kopf.

 

Foto Brigitte Fuchs

 

Er klopfte immer wieder an
als Lover, als Schildkrötenmann.
Und dann, nach ewiglanger Zeit
war sie wohl doch für ihn bereit.

 

Foto Brigitte Fuchs

 

Sie schaute tief in seine Augen
und fasste mutig den Entschluss,
ihm unbedingt zu glauben.
Rasch gab sie ihm den ersten Kuss.

 

Brigitte Fuchs

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Die einen blühen, die anderen welken…

Fotos Brigitte Fuchs: gesehen Anfang März

 

So lohnt die Welt für unsre Sorge: Sie saugt uns aus und findet uns dann welk, indes sie prangt mit unsern besten Kräften.

 

Franz Grillparzer (1791-1872) österreichischer Schriftsteller und Dramatiker

 

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Wie schön, was uns im Frühling blüht…

Foto Brigitte Fuchs: Küchenschelle

 

Frühling, ja, du bists!
Dich hab’ ich vernommen!

 

 

Eduard Mörike (1804-1875) deutscher Dichter
Letzte Zeilen seines Gedichts „Er ists“

 

Wie schön, was uns im Frühling blüht
und ungeniert den Duft versprüht:
Ranunkeln, Tulpen und Narzissen,
zartblaue Veilchen, Moos in Kissen.
Gras, Birke, Hasel, Esche, Flieder
blüh’n Jahr um Jahr entschlossen wieder.
Huflattich, Geissfuss, Akelei
(Stiefmütterchen sind auch dabei)
Windröschen, Wegerich und Miere
betören uns und auch die Tiere.
Die Nessel, das Vergissmeinnicht,
sie suchen mit dem Klee das Licht.
Und selbst das Erdbeerfingerkraut
wird gern vom Frühling angebaut.
Ach, das ist längst nicht alles hier!
Bestimmt gibt es noch hundertvier…

 

Brigitte Fuchs

 

 

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