Monatsarchive: Juni 2020
Schwalben

Foto Brigitte Fuchs „Sandschüttung für Uferschwalben“ in Rietheim am Rhein
Schwalben, durch den Abend treibend,
leise rufend, hin und wieder,
kurze rasche Bogen schreibend,
goldne Schimmer im Gefieder -.
Oh, wie möcht‘ ich dir sie zeigen,
diese sonnenroten Rücken!
Und der götterleichte Reigen
müsste dich wie mich entzücken.
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter, Übersetzer und Schriftsteller
Aus der Sammlung „Ein Sommer“

Fotos Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs
Für Interessierte gibt es hier mehr Wissenswertes:
https://www.birdlife.ch/sites/default/files/documents/Uferschwalben_Praesentation_BirdLife_170510.pdf
Hellwache Zeilen zum Schlaf

Foto Brigitte Fuchs: Vögel in einer Voliere
P.S. Richtigstellung: Die schlafenden Vögel in der Voliere sind leider keine Bienenfresser, wie ich vorhin von einem Freund erfahren habe. Möglicherweise sind es Chinasittiche. Aber der Richtigkeit halber stelle ich nun noch einen wirklichen und hellwachen Bienenfresser hier ein: Voilà!

Foto Brigitte Fuchs: Bienenfresser in der Voliere beim Schloss Wildegg
Gebt den Leuten mehr Schlaf sie werden wacher sein, wenn sie wach sind.
Kurt Tucholsky
Im Schlaf sind wir ebenso wenig Herr unserer Gedanken wie im wachen Zustand.
Voltaire
Der Mensch: ein Wesen, das am Ende einer Woche Arbeit entstand, als Gott
schon sehr müde war.
Mark Twain
Wer schläft, sündigt nicht – wer vorher sündigt, schläft besser.
Giacomo Casanova
Schlafen ist kein geringes Kunststück, denn man muss den ganzen Tag dafür
wach bleiben.
Friedrich Nietzsche

Foto Brigitte Fuchs
Regentag

Ich hab dir einen Regenpalast erbaut
Aus Alabastersäulen und Bergkristall
Dass du in tausend Spiegeln
Immer schöner dich für mich wandelst
(…)

Mit Regendiamanten bekleid ich dich
Heimlicher Maharadscha des Regenreichs
Des Wert und Recht gewogen wird
Nach den gesegneten Regenjahren
(…)
Yvan Goll (1891-1950) deutsch-französischer Dichter
Zwei Strophen aus seinem Gedicht „Der Regenpalast“

Alle Fotos Brigitte Fuchs
Falterpaar

Foto Brigitte Fuchs
Dieses Falterpaar
sieht ja aus, als wäre es
eben erst vermählt!
Ryôta (1707-1787) japanischer Haiku-Dichter
In ein Stammbuch zum Bildchen von Ulrichs Garten

Fotos Brigitte Fuchs: Gartenanlage beim Schloss Wildegg
Dass zu Ulrichs Gartenräumen
Soll ein Verslein mir erträumen,
Ist ein wunderbarer Streich;
Denn es war von süssen Träumen
In den ländlich engen Räumen
Mir ein Frühling hold und reich.
Sollt es euch zu Lust und Frommen
Auch einmal zugute kommen,
Freut euch in dem engsten Raum.
Was beglückt, es ist kein Traum.
Johann Wolfgang von Goethe

Fotos Brigitte Fuchs: Schloss Böttstein
Käfer und Blume
Es flog ein alter Käfer,
Summ, Summ,
Um’s Beet im Morgenscheine;
Erwählte dann sich Eine
Im Blumenpublikum.
Foto Brigitte Fuchs: zweifleckiger Zipfelkäfer auf Schnittlauchblüte
Er sprach, vom Golde blitzend:
Summ, Summ,
Dem Dünger zwar entstiegen
Kann ich doch hoch nun fliegen,
So liebe mich darum!

Foto Brigitte Fuchs
Es sprach die kleine Blume:
Summ, Summ,
Es treiben Schmetterlinge
Viel artigere Dinge,
Erspare dein Gebrumm!

Foto Brigitte Fuchs
Da sah der alte Käfer,
Summ, Summ,
Bei ihr den schönsten Falter
Im angemessnen Alter,
Und blieb vor Ärger stumm.
Cäsar von Lengerke (1803-1855) deutscher evangelischer Theologe und Dichter

Foto Brigitte Fuchs: Kleiner Fuchs auf Schnittlauchblüten
Ausritt
Fotos Brigitte Fuchs
Ein Vergnügen ist es, ein hochdankbares Studium,

Fotos Brigitte Fuchs
die Gedanken eines edlen Pferdes zu erraten

und sie mit ihm auszuführen!
Karl May (1842-1912) deutscher Autor von Abenteuerromanen
Aus dem Band „Im Reiche des silbernen Löwen“
Blumensprache

Foto Brigitte Fuchs: Esparsette
Esparsette (Onobrychis)
Esparsette
Leicht reisst Amors Kette.
Treibe keinen Spott
Mit der Liebe Gott.
Alfred von der Aue (keine Lebensdaten vorhanden)
in „Neueste und ausgewählte Blumensprache in kleinen Denkversen und Sinngedichten“ erscheinen 1842 in Anclam beim Dietze Verlag
Feldblumen insgesamt
Du gehst vorüber,
O Du Lieber,
Und siehst nicht,
Und fühlst nicht,
Wie schön das grüne Gras,
Wie erfrischend und kühl und nass,
Und dazwischen die goldenen Sterne.
Musst du denn immer in die Ferne?
Alfred von der Aue (keine Lebensdaten vorhanden)
in „Neueste und ausgewählte Blumensprache in kleinen Denkversen und Sinngedichten“ erscheinen 1842 in Anclam beim Dietze Verlag

Foto Brigitte Fuchs
STEIN ODER SCHLANGE (Ein Anagramm)

Foto Brigitte Fuchs
STEIN, GANS ODER ELCH?
(ENTSCHIEDEN ARGLOS)
ODER NICHTS ALS ENGE?
NIEST SCHLANGE ODER
LAG SCHNOEDER STEIN?
ODER GAST-INSELCHEN?
(REGENNASS: TOEDLICH)
SCHEINT ES LANG ODER
LACHT GENOSSIN ERDE?
ENGELS ANSICHT ODER
SCHEIN ODER LAENGST
ENDE? – STIER LAG SCHON!
Brigitte Fuchs
Ich kenne wo ein festes Schloss
Foto Brigitte Fuchs: Wasserschloss Wyher, Ettiswil
Ich kenne wo ein festes Schloss
Ein stiller König wohnt darinnen,
Mit einem wunderlichen Tross;
Doch steigt er nie auf seine Zinnen.
Verborgen ist sein Lustgemach
Und unsichtbare Wächter lauschen;
Nur wohlbekannte Quellen rauschen
Zu ihm herab vom bunten Dach.
(…)
Novalis (1772-1801) Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg; deutscher Schriftsteller, Philosoph und Bergbauingenieur
Erste Strophe seines Langgedichts „Ich kenne wo ein festes Schloss“


