Monatsarchive: November 2020
Magisches Netz

Foto Brigitte Fuchs
(…)
Doch indem ich so behaglich,
Aufgeschmückt stolzierend wandle,
Sieh! da knüpfen jene Losen,
Ohne Streit, geheim geschäftig,
Andre Netze, fein und feiner,
Dämmrungsfäden, Mondenblicke,
Nachtviolenduft verwebend.
(…)
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) deutscher Dichter und Universalgelehrter
5. Strophe seines 6-strophigen Gedichts „Magisches Netz“, aus dem Jahre 1803
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
18 Kommentare
Seelenverwandtschaft

Collage Brigitte Fuchs
Es gibt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die an und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen der Beschaffenheit einer Seele.
Marie, Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830-1916) österreichische Schriftstellerin
Veröffentlicht unter Collagen, Zitate
18 Kommentare
Die Kopfweide

Foto Brigitte Fuchs
Es steht die junge Weide nah am Bach
und lässt mich froh an früher denken,
ans Spiel im Ried, frei von Bedenken,
ein wunderbarer Kinderdschungel, ach!
Die alten Leute flochten Körbe, Zainen,
robuste, süsse Bettchen für die Kleinen.
Man nahm die eingeweichten Ruten
und flocht sie bis zum Fingerbluten.
Oft schnitt zum Kopf man jene Weiden.
Die Zweige waren lang und dünn, fast kahl sogar,
und sahen aus wir wirres, ungekämmtes Haar.
Ich mag die Wuschelköpfe gerne leiden.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
23 Kommentare
Wissen und Weisheit
Foto Brigitte Fuchs: Skulptur „Grosses Weib“ von Rudolf Blättler im Park Villette in Cham
Um Wissen anzusammeln, nehmt jeden Tag neue Dinge in euch auf.
Um weise zu werden, werft jeden Tag Dinge von euch fort.
Laotse / auch Laozi (6. Jh. v. Chr.) chinesischer Philosoph
Veröffentlicht unter Bilder, Zitate
22 Kommentare
Morgentöne

Collage Brigitte Fuchs
Guten Morgen! schreit das Menschentier;
Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier.
Guten Morgen! schreit auch der Tyrann;
Früh fängt er zu regieren an.
An den Weltrand will ich heute gahn;
Dort will ich einmal Fliegen fahn.
Guten Morgen! schreit der Kriegersmann;
Ach, der ist immerzu im Tran.
Guten Morgen! schreit man dort und hier;
Und meine Uhr schlägt schon halb vier.
Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier;
Guten Morgen! schreit das Menschentier.
Paul Scheerbart (1863-1915) deutscher Schriftsteller, Kunstkritiker und Zeichner
Aus der Sammlung Kater-Poesie
Veröffentlicht unter Collagen, Gedichte
16 Kommentare
Limerick 107
Foto Brigitte Fuchs
Es mochte Herr Girlitz aus Bingen
der Vögel Gezwitscher und Singen.
Doch in der Volière
da herrschte Misere:
Man kann ja Attrappen nicht zwingen.
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Kapriolen
16 Kommentare
Gold und Bronze

Fotos Brigitte Fuchs: 2. November 2020
Novemberspiele
Gold und Bronze gehen klar
an den Buchenwald
Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Haiku
26 Kommentare
Natur ist…
Natur ist ein Meer von Formen, die entschieden gleichartig und sogar unverwechselbar sind. Ein Blatt, ein Sonnenstrahl, eine Landschaft, der Ozean machen alle einen ähnlichen Eindruck auf den Geist. Was ihnen allen gemeinsam ist – diese Vollendung und Harmonie -, eben das ist Schönheit. Das Mass der Schönheit ist der gesamte Umkreis natürlicher Formen…
Ralph Waldo Emerson (1803-1882) US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller

Fotos Brigitte Fuchs
Veröffentlicht unter Bilder, Texte
22 Kommentare
Allerseelen
Fotos Brigitte Fuchs
Der schnellste Reiter ist der Tod,
Er überreitet das Morgenrot,
Des Wetters rasches Blitzen;
Sein Ross ist fahl und ungeschirrt,
Die Senne schwirrt, der Pfeil erklirrt,
Und muss im Herze sitzen.
Durch Stadt und Dorf, über Berg und Tal,
Im Morgenrot, im Abendstrahl
Geht’s fort in wildem Jagen;
Und wo er floh mit Ungestüm,
Da schallen die Glocken hinter ihm,
Und Grabeslieder klagen.
(…)
Emanuel Geibel (1815-1884) deutscher Lyriker und Dramatiker
Erste beiden Strophen aus seinem fünfstrophigen Gedicht „Der schnellste Reiter ist der Tod“
Veröffentlicht unter Bilder, Gedichte
24 Kommentare
Allerheiligen
Fotos Brigitte Fuchs
Der Mensch ist doch höchst unbesonnen! Nicht eine Käsemilbe kann er machen, und Götter und Heilige macht er zu Dutzenden!
Michel de Montaigne (1533-1592) französischer Jurist, Politiker, Philosoph und Essayist
Veröffentlicht unter Bilder, Zitate
26 Kommentare




