Archiv der Kategorie: Gedichte

Erntedank – zum heutigen Welternährungstag

Foto Brigitte Fuchs

 

Wollt ihr fröhlich essen
dürft ihr nicht vergessen,
wieviel Sonne, Regen, Wind
vorerst not gewesen sind,
bis euch diese Gaben nun erlaben.
Dankt drum Sonne, Wind und Regen
für den Segen.

 

Volksgut

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Gelobtes Land

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Im Regen sind die Gärten ganz

für sich. Die Äpfel fallen mit nassen

Gesichtern. Zwischen den Steinen

des Bachbetts schläft das Licht

seinen Rausch aus. Niemand lacht.

Selbst da, wo du nicht bist, finde ich

dich. Zum Glück. Dein Wort hängt

mir unsagbar an den Wimpern.

 

 

Brigitte Fuchs
Aus „Suchbild mit Garten“ Gedichte, Kukuruz Verlag, Lüchingen 1998

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Die Sonnenblumen

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Ihr goldenen Sonnenblumen,

Innig zum Sterben geneigt,

Ihr demutsvollen Schwestern

In solcher Stille

Endet Helians Jahr

Gebirgiger Kühle.

 

(…)

 

Georg Trakl (1887-1914) österreichischer Dichter
Erste der zwei Strophen seines Gedichtes „Die Sonnenblumen“ aus dem Nachlass

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

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Manchmal geschieht es in tiefer Nacht…

Foto Brigitte Fuchs: Landstrich bei Steinach am Bodensee

 

 

Manchmal geschieht es in tiefer Nacht,
dass der Wind wie ein Kind erwacht,
und er kommt die Alleen allein
leise, leise ins Dorf herein.

Und er tastet bis an den Teich,
und dann horcht er herum:
Und die Häuser sind alle bleich,
und die Eichen sind stumm…

 

 

Rainer Maria Rilke (1875-1926) österreichischer Lyriker deutscher und französischer Sprache

 

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Graues Land

Foto Brigitte Fuchs

 

Wolken in dämmernder Röte
droh’n über dem einsamen Feld.
Wie ein Mann mit trauriger Flöte
geht der Herbst durch die Welt.

Du kannst seine Nähe nicht fassen,
nicht lauschen der Melodie.
Und doch: in dem fahlen Verblassen
der Felder fühlst du sie.

 

 

Stefan Zweig (1881-1942) österreichischer Schriftsteller

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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Der Morgen

 

Fliegt der erste Morgenstrahl
Durch das stille Nebeltal,
Rauscht erwachend Wald und Hügel:
Wer da fliegen kann, nimmt Flügel!

 

 

Und sein Hütlein in die Luft
Wirft der Mensch vor Lust und ruft:
Hat Gesang doch auch noch Schwingen,
Nun, so will ich fröhlich singen!

 

 

Hinaus, o Mensch, weit in die Welt,
Bangt dir das Herz in krankem Mut;
Nichts ist so trüb in Nacht gestellt,
Der Morgen leicht macht’s wieder gut.

 

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) deutscher Dichter
Aus der Sammlung Wanderlieder

 

Alle Fotos Brigitte Fuchs: Dieses zeigt den Blick von der Ruine Stein auf die Stadt Baden im Aargau und die umliegenden Hügel

 

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Vom Dampf

Foto Brigitte Fuchs: Baumschulbahn im Gartencenter Zulauf in Schinznach
Siehe auch
https://www.schbb.ch/de/

 

 

Rauch ist alles ird’sche Wesen;
Wie des Dampfes Säule weht,
Schwinden alle Erdengrössen,
Nur die Götter bleiben stet.

 

 

Friedrich von Schiller (1759-1805) deutscher Arzt, Dramatiker, Dichter, Philosoph und Historiker
Aus: „Das Siegesfest“

 

Foto Brigitte Fuchs: Dampfbahn im Gartencenter Zulauf in Schinznach

 

 

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Zaungäste

Foto Brigitte Fuchs

 

(…)

Wie wenig tut schon den Augen gut!
Nur ein paar Atemzüge lang hat’s Herz dort ausgeruht,
Nur ein paar Augenblicke tat es säumen …
Wir sind doch alle in den weiten Lebensräumen
Zaungäste nur bei Wünschen und bei Träumen.

 

 

Max Dauthendey (1867-1918) deutscher Dichter und Maler
Ausschnitt aus seinem Gedicht „Vorfrühling“

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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Im Oktober

Foto Brigitte Fuchs

 

 

Kühler wehen nun die Lüfte,
länger sind die Nächte schon,
Käfer, Falter, Blumendüfte
und die Vögel sind davon.

Arm an Blättern steh’n die Äste,
alle hat der Sturm verweht!
Krähen sind die letzten Gäste,
wenn der Bauer pflügt und sät.

Aber Früchte aller Arten,
Äpfel, Nüsse, süss und gut,
pflückt und schüttelt man im Garten,
wenn es nicht der Herbstwind tut.

 

 

Josef Leitgeb (1897-1952) österreichischer Lyriker und Schriftsteller

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Der Späher

Foto Brigitte Fuchs

 

Wir müssen uns finden. Dein Weg ist der meine.
Wir suchen nach Feuer. Wir stossen auf Steine.

Wir sind in Freuden und Fluch verbunden.
Wir blühen und bluten aus gleichen Wunden.

Nichts auf der Welt kann uns ewig trennen.
Doch möcht ich dich noch im Frühling erkennen.

Viel hundert Leben muss ich beschleichen.
Immer mach ich dir Zeichen.

 

Alfred Grünewald (1884-1942) österreichischer Schriftsteller

 

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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