Karwoche

Foto Brigitte Fuchs

 

 

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!

Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,

Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne

Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde …

 

(…)

 

Eduard Mörike (1804-1875) deutscher Dichter
Erste Strophe seines Gedichtes „Karwoche“

 

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Alle Birken grünen

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Alle Birken grünen in Moor und Heid,
Jeder Brahmbusch leuchtet wie Gold,
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit,
Jeder Birkhahn kullert und tollt.

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
Auf dem schwarzen, weissflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
Und schweben zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölkchen zieht
Wie ein Wollgrasflöckchen so leicht,
Und mein Herz, es singt sein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied
Ein Lied, so fein und lind,
Wie ein Wölkchen, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.

 

 

Hermann Löns (1866-1914) deutscher Journalist und Schriftsteller

 

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Gedichtzeilen in Moll

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Er schnitt eine Handvoll Löwenzahn
für die Kaninchen die hockten in
den Ställen und machten Augen
Er strich ihnen übers Hasenfell
eins übers andere Mal bald ist
Ostern sagte er mehr zu sich selbst

 

Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“ Gedichte, edition 8, Zürich 2020

 

Und dann noch die kindgerechte Version:

 

Pudding

Das Kaninchen im Gehege
lebt vergnügt bei guter Pflege.
Auf dem Schildchen steht der Name:
„Pudding“ heisst die kleine Dame.

Auch der Speiseplan hängt da:
Möhren, Fenchel, Rucola.
Löwenzahn gibt’s gleich noch mehr,
sozusagen zum Dessert.

 

Brigitte Fuchs
Aus „Was reimt sich auf Tatze?“, Fotos und Tiergedichte, Privatdruck 2024

 

Foto Brigitte Fuchs

 

 

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Hast du Töne?

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Dann können wir den März gerne ausklingeln lassen.

 

 

Brigitte Fuchs

 

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Balance

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Immer muss man alles selber machen,

Worte finden, Lücken füllen,

Trauriges in Watte hüllen.

Für die Balance braucht man ganze Sachen.

 

 

Brigitte Fuchs

 

Foto Brigitte Fuchs

 

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Bald ist Ostern

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Ostern ist nun nicht mehr weit.
Viele fiebern darauf hin,
haben Heiterkeit im Sinn,
sind für dies und das bereit.

 

Brigitte Fuchs

 

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Füge dich drein

Fotos Brigitte Fuchs

 

 

Füge dich drein, geh’s wie es geh‘:
Vormittag Sonne, Nachmittag Schnee!

Lass dich von Liedern nicht betören,
draus nur das Schreiten von festlichen Chören,
Mädchenstimmen und Flöten zu hören.

Scheint es vom Süden, bläst es vom Ost,
lach‘ in die Sonne, wehr‘ dich im Frost!

Lustig gemischt den Juli und Jänner. —
So erzieh‘ ich mir rüstige Männer,
feste, freie Lebensbekenner.

Füge dich drein, geh’s wie es geh‘:
Vormittag Sonne, Nachmittag Schnee!

 

 

Friedrich Adler (1878-1942) deutscher Architekt, Möbelgestalter und Keramiker (ermordet in Auschwitz)
Gedicht mit dem Titel „April“ – was ja auch für den momentanen März gilt.

 

Fotos Brigitte Fuchs

 

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Raufbolde

Fotos Brigitte Fuchs: zwei Kattas raufen sich in „Tonis Zoo“, Rothenburg

 

(…)

»Fluch dir o Sonnenlicht, das diesen Tag beschienen,
Sollt ich denn diese Schmach und diesen Schimpf verdienen?
Doch Rache schwör ich dir, wart, alter Schwabe, wart!
Ja, Rache schwör ich dir bei meinem Knebelbart.«

Der Schwabe, ungerührt von Fäberleins Gefühlen,
Lacht höhnisch und fährt fort, das Belle auszuspielen,
Doch endlich bricht er los und spricht: »Es ist genung,
Kurzum, du bist ein dummer, naseweiser Jung!«

Da weiss sich Fäberlein vor Wut nicht mehr zu halten:
»Hätt ich ein Schwert nur hier, den Schädel ihm zu spalten.
O Höllenschwerenot, Blitz, Himmelsackerlot,
tf-tf-tf-tf-tf-tf, das ist gewiss mein Tod!

(…)

 

Wilhelm Hauff (1802-1827) deutscher Schriftsteller und Märchendichter
Kurzer Auszug aus seinem Langgedicht „Die Seniade“

 

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Anagramm-Zweizeiler 633

Foto Brigitte Fuchs

 

 

WAS GIBT’S DA ZU SEHEN, IHR MAEDCHEN?

DEMNACH GIBT’S DA WAS ZU SEHEN: HIER!

 

 

Brigitte Fuchs

 

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Von Bibern und Bäumen

Fotos Brigitte Fuchs

 

Es können Biber in den Auen
grossmeisterlich verdichtet bauen.
Sie fällen Bäume reihenweise
und hau’n ins Ried so manche Schneise.

Uns macht es traurig, denn es waren
gesunde Bäume, reich an Jahren,
die nun, gefällt, am Boden liegen
und nie mehr neue Blätter kriegen.

Was hier der Biber tüchtig tut,
ist für den Baumbestand nicht gut.
Doch ist seit je Ambivalenz
Naturgesetz – nicht bloss im Lenz.

 

Brigitte Fuchs

 

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