Archiv der Kategorie: Gedichte
Gewitter

Fotos Brigitte Fuchs
Es wetterleuchtet durch die Nacht,
Die Donner, sie rollen von ferne,
Die Wolken stürmen zur wilden Schlacht,
Und ängstlich verlöschen die Sterne.
Es jagt und wettert und kracht und braust,
Wie wenn in Lüften der Böse haust –
Was schmiegst du dich an mich mit Zittern?
He, holla! Mich freut das Gewittern.
(…)
Karl Henkell (1864-1929) deutscher Lyriker und Schriftsteller
Erste Strophe seines Gedichtes „Gewitter“
Aus „Gedichte für einen Sommertag“, Hrsg. Gudrun Bull, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2008
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Vielleicht wieder mal

Foto Brigitte Fuchs
Vielleicht wieder mal zuhören den
siebensprachigen Gezeiten das Ohr in
der Handmuschel von Welle zu Welle
die Nässe die Gischt im Gesicht nichts
weiter nur überschäumen untertauchen
im Gebraus sich festhalten mit dem
unsäglichen Licht sich anschwemmen
oder wegtragen lassen über all die
Tellerränder und Tischkanten hinaus
Brigitte Fuchs
Aus „Musik von weit her“, Gedichte, edition 8, Zürich 2020
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Dankbares Leben
Sicht auf den Zürichsee bei Wädenswil
Wie schön, wie schön ist dieses kurze Leben,
Wenn es eröffnet alle seine Quellen!
Die Tage gleichen klaren Silberwellen,
Die sich mit Macht zu überholen streben.
Was gestern freudig mocht das Herz erheben,
Wir müssen’s lächelnd heute rückwärts stellen;
Wenn die Erfahrungen des Geistes schwellen,
Erlebnisse gleich Blumen sie durchweben.
So mag man breiter stets den Strom erschauen,
Auch tiefer mählich sehn den Grund wir winken
Und lernen täglich mehr der Flut vertrauen.
Nun zierliche Geschirre, sie zu trinken,
Leiht, Götter! uns, und Marmor, um zu bauen
Den festen Damm zur Rechten und zur Linken!
Gottfried Keller (1819-1890) Schweizer Schriftsteller, Dichter und Politiker
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Ein halber Mond
Foto Brigitte Fuchs
Ein halber Tag
Nur zur Hälfte wächst der Efeu hinauf
an der Mauer nur halb dreht sich
die Erde im Kreis wird das Fliegenkind
gross und das Regenfass voll
Aber die Wicken ranken es blühen
Hortensien Ranunkeln und Rosen und die
alte Frau geht in ihrem Garten herum
langsam ganz Auge ganz Ohr
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“, Gedichte, Edition 8, Zürich 2014

Fotos Brigitte Fuchs
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Abendspaziergang
Fotos Brigitte Fuchs
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewusst,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
Joseph von Eichendorff (1788-1857) deutscher Dichter, Dramatiker und Erzähler
Gedicht mit dem Titel „Der Abend“

Fotos Brigitte Fuchs
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Baumhaus
Foto Brigitte Fuchs: Baumhaus „Archehof“ bei Hildisrieden
Hoch über bestellten Äckern
und mohnroten Feldern
träumen ins Nichts
Über einem beliebigen Tag
wachsendes Schweigen
Die Welt entfernt sich
überlässt dir
das Jetzt
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs
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Sommerglück

Fotos Brigitte Fuchs
Meines vollsten Sommers Glück:
Ringsum gelbe Erntefelder,
Stiller Welt ein stilles Stück,
Himmelsblau und ferne Wälder.
Täglich gehn wir still und stumm
Gleiche Erntewege wieder.
Schimmernd Schweigen um und um,
Duft und Wind und Lerchenlieder.
Wilhelm Weigand (1862-1949) deutscher Dichter und Schriftsteller
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Der gute Mond

Fotos Brigitte Fuchs
Der gute Mond der stille lässt sich
nicht fangen und auch das Greifen
nach den Sternen ist (so scheint mir)
reine Utopie doch wie sonst soll man
seinen Freunden und Kupferstechern
die gerne Tau aus Blüten bechern
eine hübsche Freude machen –
ich wüsst nicht wie
Brigitte Fuchs
Aus „Es tanzt der Stein“ Gedichte, edition 8, Zürich 2014
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Stilles Reifen

Fotos Brigitte Fuchs
Alles fügt sich und erfüllt sich,
musst es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen
reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte
in die tiefen Speicher führest.
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter und Schriftsteller
Aus „Ich und die Welt“, 1898

Fotos Brigitte Fuchs
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Abwechslung

Fotos Brigitte Fuchs
Von Abwechslung lieb‘ ich diese:
Wald entweder oder Wiese.
Karl Mayer (1786-1870) deutscher Jurist und Dichter

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