Archiv der Kategorie: Gedichte
So wie der Gott des Stromes Lauf
Foto Brigitte Fuchs
So wie der Gott des Stromes Lauf
Durch weit entfernte Gauen lenkt
Und hält durch ein Gebirg ihn auf,
Eh‘ er die freie Bahn ihm schenkt:
So lenkt er meines Herzens Glut;
Wer weiss, wann sich das Glück erschliesst?
Und weiss des Stromes rasche Flut,
Wie bald sie sich ins Meer ergiesst?
Frieda Port (1854-1926) deutsche Erzieherin und Dichterin
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Neujahrswunsch

Foto und Beschriftung Brigitte Fuchs
In dein Betragen – Welt,
In deinen Beutel – Geld,
Witz unter deinen Hut,
Feuer in dein Blut –
Ist der Wunsch nicht gut?
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) deutscher Aphoristiker, Schriftsteller und Satiriker
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Nun ist das Licht im Steigen

Foto Brigitte Fuchs: Landschaft in Dürrenäsch/AG
Nun ist das Licht im Steigen,
Es geht ins neue Jahr.
Lass deinen Mut nicht neigen,
Es bleibt nicht, wie es war.
So schwer zu sein, ist eigen
Im Anfang immerdar,
Am Ende wird sich’s zeigen,
Wozu das Ganze war.
Nicht zage gleich dem Feigen
Und klag‘ in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
Dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
So klage schön und klar!
Friedrich Rückert (1788-1866) deutscher Dichter
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Sinnende Stunde

Foto Brigitte Fuchs: Allerheiligenberg
In dem dunklen Spiel der Bilder
Spiegelst du dein Leben jung,
Und es scheint dir sanft und milder,
Schattend als Erinnerung.
All die Stunden, die ins Ferne
Einst vergingen, werden wach.
Nie begehrte nahe Sterne
Funkeln jäh in dein Gemach.
Taten träumst du an der Schwelle,
Frauen, die du nie ersiegt,
Bis der Wehmut weiche Welle
Dich in ihren Armen wiegt.
Stefan Zweig (1881-1942) österreichischer Schriftsteller
Aus „Stefan Zweig / Ausgewählte Gedichte“, Insel Bücherei Nr. 174, Insel Verlag Zweigstelle Wiesbaden 1953
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Zu Tische
Foto Brigitte Fuchs (Ja, auch dieses Foto habe ich schon mal gezeigt.)
Heut, an Leanders Feste,
War alles, traun! aufs beste!
Denkt, fette Gänse drei;
Beliebte Hasen, zwei;
Ein Dutzend stumme Fische;
Und gar ein wildes Schwein.
„Das alles gab er?“ Nein!
Die sassen nur bei Tische.
Karl Friedrich Kretschmann (1738-1809) deutscher Jurist und Schriftsteller
Text aus dem Internet
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So oft mir ward eine liebe Stund‘

Foto Brigitte Fuchs
So oft mir ward eine liebe Stund‘
Unterm blauen Himmel im Freien,
Da habe ich, zu des Gedenkens Bund,
Mir Zeichen geflochten mit Treuen:
Einen schlichten Kranz, einen wilden Strauss,
Liess drüber die Seele wallen;
Nun stehe ich einsam im stillen Haus
Und sehe die Blätter zerfallen.
(…)
Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) deutsche Dichterin
Erste Strophe ihres Gedichtes „Meine Sträusse“
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Gemartert

Foto Brigitte Fuchs
Ein gutes Tier
Ist das Klavier,
Still, friedlich und bescheiden,
Und muss dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.
Der Virtuos
Stürzt darauf los
Mit hochgesträubter Mähne.
Er öffnet ihm
Voll Ungestüm
Den Leib gleich der Hyäne.
Und rasend wild,
Das Herz erfüllt
Von mörderlicher Freude,
Durchwühlt er dann,
Soweit er kann,
Des Opfers Eingeweide.
Wie es da schrie,
Das arme Vieh,
Und unter Angstgewimmer
Bald hoch, bald tief
Um Hilfe rief,
Vergess‘ ich nie und nimmer.
Wilhelm Busch (1832-1908) deutscher Zeichner, Maler und Dichter
Aus dem Gedichtband „Zu guter Letzt“ aus dem Jahre 1904
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Einsames Land! Einsamer Baum darinnen!

Fotos Brigitte Fuchs: Blätter des Ginkgo-Baumes
(…)
Einsames Land! Einsamer Baum darinnen!
Süss ist das Stehn und Sinnen
Unter deinen Zweigen.
Aus deinen Wipfeln sinkt es nieder,
Das Selig-Dämmernde und Schweigende.
Die Hände strecke ich aus, und sie füllen sich
Mit unsichtbaren Blättern, und ich fühle das ganz
Im reifgewordenen Herzen.
Baum, an deinem Stamm, unter deinen Zweigen
Ward ich ein blinder Mann, und sammle ein
Die Gaben, die aus deinen Wipfeln niedersinken.
Das Herrlichste, es sinkt mir auf das Haupt,
Und auf die Schultern, liegt zu meinen Füssen.
Es verschüttet mich.
Reicht eine Harfe! Das Tief-Ewige
Umschauert mich.

Fotos Brigitte Fuchs: Blätter des Ginkgo-Baumes
Es dringt ein Glanz herein in meine Nacht.
Das muss die Träne sein, die draussen auf der Schwelle
Des Hauses lagert und den Mond anblickt.
Reicht mir die Harfe! Glänzender war ich nie!
Schliesst die Pforten auf! öffnet die Fenster!
Ihr Alle, Alle, kommt zum grossen Fest!
(…)
Alfred Mombert (1872-1942) jüdisch-deutscher Schriftsteller und Dichter
Aus seinem Zyklus „Der himmlische Zecher“ Nr. 8;
Text aus dem Internet
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Zu Golde ward die Welt

Fotos Brigitte Fuchs
Zu Golde ward die Welt,
zu lange traf der Sonne süsser Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig dich, Welt, hinab.
Bald sinkt’s von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu –
und bringt dir Ruh,
o Welt, o dir,
zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.
Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Dichter
Gedicht mit dem Titel „Herbst“
Text aus dem Internet

Fotos Brigitte Fuchs
Voilà: für Ellen
Herbstrot
Durch’s Stoppelfeld die Winde ziehen,
Den Himmel decken Regenschauer,
Öd‘ liegt das Land, ein Bild der Trauer;
Rings Schweigen, Sterben und Verblühen
Und während Feld und Fluren kahlen,
Färbt herbstlich Rot die Bäume nur,
Als wollte sterbend die Natur
Noch mit des Lebens Farben prahlen.
Günther Walling (1839-1896) deutscher Dichter
Text aus dem Internet
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Wir stehen längst geknickt wo angelehnt
Fotos Brigitte Fuchs
Wir stehen längst geknickt wo angelehnt,
Am grauen Steine einer alten Mauer,
So ausgelöscht und haben uns gesehnt,
Nach einem einzigen Lichtchen in der Weltentrauer.
Wie nie auf einmal standen wir im Glanz…
Und unsere feierlichen Aeste hingegeben,
Verklangen ineinander wie im Tempeltanz.
Was soll ich weiter – und auch du – mit deinem Leben,
Lichtlosem Dasein, das hell über Nacht – und – umgebracht –
Mit deinem funkelte noch eben.
Else Lasker-Schüler (1869-1945) deutsche Dichterin und Schriftstellerin jüdischer Herkunft
Aus „Dein Herz ist wie die Nacht so hell“ Liebesgedichte, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996/2002
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