Archiv der Kategorie: Texte
Adventskalenderfenster III

Foto Brigitte Fuchs
3
Ein Haus steht in der Finsternis.
Finsternis steht ringsum.
Ein Fenster leuchtet.
Einer sagt: Verzweiflung.
Einer sagt: Hoffnung.
Und eine Waage ist nicht zur Hand.
Nur Entscheidung.
Johannes Trojan (1837-1915) deutscher Humorist, Redakteur und Dichter
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Adventskalenderfenster I
Foto Brigitte Fuchs
1
Die Fenster unserer Herzen:
Machen wir sie auf
für das Licht,
für die Sonne am Tag
und für die Sterne in der Nacht.
Kommt Licht in unsere Augen,
dann kommt auch Licht in unser Herz.
Text von Unbekannt
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Lichtertanz
Foto Brigitte Fuchs: Hallwilersee
Wasserbild
zahm und wild
dunkel hell
zart und grell
voll und ganz
satter Glanz
weiche Form
und enorm
wandelbar
einzig gar
Baum und See
Rausch Idee
Brigitte Fuchs

Foto Brigitte Fuchs: Hallwilersee
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Ich möcht‘ so gerne wissen …
Fotos Brigitte Fuchs
(…)
Ich möcht‘ so gerne wissen,
Ob sich die Fische küssen. –
Unterm Wasser sieht man ’s nicht,
Und überm Wasser tun sie ’s nicht!
(…)
Endlich bekam ich eine Antwort auf die Liedstrophe (des deutsch-dänischen Kabarettisten Max Hansen), die wir uns als Jugendliche so oft aufsagten …

Foto Brigitte Fuchs
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Dosen
Fotos Brigitte Fuchs
Das Glück des Lebens setzt sich aus winzigen Kleinigkeiten zusammen – den kleinen, bald vergessenen Wohltaten eines Kusses oder Lächelns, eines freundlichen Blicks, eines von Herzen kommenden Kompliments –, zahllosen, unendlich kleinen Dosen angenehmer und belebender Freuden.
Samuel Taylor Coleridge (1772-1834) englischer Literaturkritiker und Dichter

Fotos Brigitte Fuchs
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Ein Reh
Fotos Brigitte Fuchs: Vogelmoos/LU
Wir halten uns so gern an sommerleichten Tagen
am Teich auf, wo die Kolben aus dem Wasser ragen.
Der Wald ist kühl und lässt Gespräche schnell verstummen,
zu hören sind nur Zirpen und Insektensummen.
Doch plötzlich schreit ein Reh, zu Tode schier erschreckt.
(Es war zuvor im dichten Uferschilf versteckt.)
Mit weiten Sätzen springt es übers Feld zum Wald,
wo es verschwindet und nicht wiederkehrt so bald…
Wie still! – Nur unser schneller Herzschlag ist zu hören.
Uns wird erst jetzt bewusst, dass wir die Tiere stören.
Brigitte Fuchs

Fotos Brigitte Fuchs: Vogelmoos/LU
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Schaufensterbummel

Foto Brigitte Fuchs
Manchmal gehe ich an kleinen Läden vorbei in der Rue de Seine etwa. Händler mit Altsachen oder kleine Buchantiquare oder Kupferstichverkäufer mit überfüllten Schaufenstern. Nie tritt jemand bei ihnen ein, sie machen offenbar keine Geschäfte. Sieht man aber hinein, so sitzen sie, sitzen und lesen, unbesorgt; sorgen nicht um morgen, ängstigen sich nicht um ein Gelingen, haben einen Hund, der vor ihnen sitzt, gut aufgelegt, oder eine Katze, die die Stille noch größer macht, indem sie die Bücherreihen entlangstreicht, als wischte sie die Namen von den Rücken.
Ach, wenn das genügte: Ich wünschte manchmal, mir so ein volles Schaufenster zu kaufen und mich mit einem Hund dahinterzusetzen für zwanzig Jahre.
Rainer Maria Rilke (1875-1926) österreichischer Lyriker deutscher und französischer Sprache
Auszug aus „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“

Foto Brigitte Fuchs
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Schnappschuss

Foto Brigitte Fuchs
Der Sprung ins Wasser (für den der Junge eben noch grosstuerisch Anlauf holte) ist knapp über der Wasseroberfläche gestoppt worden, der straff gespannte Körper verharrt in unelegant gekrümmter Haltung über dem Hallenbassin, das klatschende Geräusch des Aufschlags, das Gespritze und das fast zugleich zu erwartende Gekreische der beiden Mädchen, die sich unter dem springenden Jungen mit seitlich ausgebreiteten Armen am Beckenrand haltend ausstrecken, bleibt aus, nichts (von dem was geschah, von dem was ausblieb) passiert.
Brigitte Fuchs
Älterer Text zu einer ähnlichen Situation

Foto Brigitte Fuchs
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Ströme erfrischenden Wassers…
Nebengebäude auf dem Gelände der Kartause Ittingen bei Frauenfeld
„…wenn trockene Zeiten weigerten etwa den Segen des Taus, dann trieben mich eifrig Liebe zum Garten und Sorge, dass nicht die fasrigen, kleinen Wurzeln erschlafften vor Durst, in geräumigen Krügen zu schleppen Ströme erfrischenden Wassers und tropfenweise zu giessen aus eigenen Händen.“

Details der Gartenkulturen der Kartause Ittingen
Allerwärts wird dann die Erde mit krummer Hacke zerkleinert, Gärstoff des fetten Düngers darauf gestreut in den Boden. Manche Kräuter sucht man aus Samen zu ziehen, durch alte Stecklinge andre zu frischem Keimen und Wachse zu bringen. Beständiger Fleiss des Gärtners und Frucht seiner Arbeit.
Walahfrid Strabo (807-849) deutscher Benediktinermönch, Dichter, Botaniker, Diplomat und Abt des Klosters Reichenau
Die Zeilen sind aus seinem gartenkundlichen Werk „Hortulus“

Gelände der Kartause Ittingen in Warth, Kanton Schaffhausen
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Pfingsten
Fotos Brigitte Fuchs
Pfingsten! Ein Wort, das seinen Zauber auf das menschliche Gemüt üben wird, solange noch ein Baum blüht, eine Lerche schmetternd in die Lüfte steigt, und ein klarer Frühlingshimmel über uns lacht. Ein Wort, dessen Klang selbst unter der härtesten Eiskruste des Egoismus, unter dem Schnee des Alters und in dem Herzen, das in Leid und Kummer erstarrt ist, noch ein Echo von Lenzeslust erwecken kann.
E. Marlitt (1825-1887) Pseudonym für Friederieke Henriette Christiane Eugenie John, deutsche Schriftstellerin
Quelle: Marlitt: „Goldelse“, Roman, 1866

Fotos Brigitte Fuchs
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